11. April 2010 |
11.00 Uhr |
Attraktion mit Emotion
Die Liebe, wie wir spätestens seit "Carmen" wissen, hat bunte Flügel. Die Liebe zur Musik zaubert Buntes selbst aus schwarzen Flügeln.
Wissen wir seit der "Pianissimo- Fortissimo"-Matinee des Piano-Hauses Kunze im Mecklenburgischen Staatstheater.
17 Schweriner Klavierlehrer an fünf exquisiten Steinway-Instrumenten - Christiane Möckel vom Konservatorium und Dirk Hammerich von der ATARAXIA-Kunstschule hatten die Idee. Ihre im besten Sinne "handgemachte" Realisierung begeisterte das Publikum durch musikalische Berührung, Heiterkeit, Ausgelassenheit. Im ausverkauften Haus.
Zwei üppige Tasten-Stunden.
Eingangs Couperin, aus der Vorzeit des Klaviers, an zwei Cembali; feinstichig genähte Töne. Dann eine Revue der Klänge und Stile. Rachmaninow mit sechs Händen, Mozart an zwei Instrumenten, 20 Finger im Improvisations-Dialog, vier Pianisten, die mit Milhaud auf den Eifelturm steigen, an fünf Flügeln furios Ragtime von 15 Jazzern. Selbst wie Nebel klingt, war zu hören und Schlechtwetter dazu, das auch zu sehen war in der Ballettzutat des Lysistrate-Ensembles vom Goethe-Gymnasium.
Attraktionen mit Emotionen.
Und dazwischen der trockene, treffende, kluge Witz des Schauspielers Jochen Fahr. Nicht nur den Flohwalzer spielte er im Eröffnungsduett-Duett mit Firmenchef Matthias Kunze, er verband auch die Lyra aus dem Firmen-Wappen der Weltmarke mit der Lyra-Skulptur hoch über der Bühne des finanzarmen Hauses zur zeitkritischen Vision vom Steinway-Theater.
Das alles hat es so nicht gegeben bislang, war eine Uraufführung, bei der nicht die Schüler, sondern vermutlich ihre internationalen Lehrer feuchte Hände hatten.
Es war auch eine Parade der Temperamente, wo spürbare Anspannung hier und da sprichwörtlich nach Noten hinweggespielt wurde durch Können und zunehmenden Spaß an diesem außergewöhnlichen Konzert.
Auf den Flügeln seiner Dur-Stimmung vibrierte der Geist musikalischer Tradition. Vital bewahrt durch privates Engagement.
Manfred Zelt
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